Im Schatten der Pandemie: Die Amazonasregion in Gefahr

Setzt man sich mit den aktuellen Nachrichten auseinander, wird man meist mit einem Thema konfrontiert: der Corona-Pandemie. Dabei rücken andere Nachrichten in den Hintergrund, wie z.B. die Bedrohung des Amazonas-Regenwaldes. Dort werden aktuell im rasanten Tempo Bäume gefällt - aufgrund von Bedingungen, welche durch Covid-19 geschaffen werden. Darüber berichten tut kaum jemand - und das, obwohl in diesem Moment riesige Flächen an Wald verloren gehen.  

Es ist schwer das Ausmaß der Gefahr in ein paar Sätzen zusammenzufassen. Dennoch möchten wir versuchen einen kleinen Einblick in die Lage zu geben. 

Der Amazonas-Regenwald ist der größte tropische Regenwald unserer Erde. 

Der Amazonas-Regenwald umfasst acht südamerikanische Länder, unter anderem Ecuador, Peru, Brasilien oder auch Venezuela. Das Amazonasbecken stellt eine unglaubliche Mosaikansammlung von Ökosystemen dar und beherbergt eine riesige Biodiversität: zahlreiche Lebewesen finden hier ihre Heimat. Außerdem gelten die Wälder des Amazonas als Lunge unserer Erde, da sie der größte CO2-Speicher sind und somit eine zentrale Rolle im Klimaschutz einnehmen.  
Einst Rückzugsort für Ureinwohner und andere Lebewesen ist die Region mittlerweile ein äußert relevanter und profitabler Marktplatz geworden, da sie reich an Rohstoffen und Anbauflächen ist. Das Ganze passiert auf Kosten der Natur.  

Bis heute wurden bereits und werden weiterhin riesige Mengen an Rohstoffen, welche aus der Amazonasregion stammen, exportiert - Ressourcenschonung Fehlanzeige! Problem sind aber vor allem Bedrohungen, die durch illegales Vorgehen entstehen. 
Ein Beispiel: die Fläche, welche in diesem Jahr im Zeitraum Januar bis März durch illegale Abholzungen vernichtet wurde, ist mit 796 qkm so groß wie New York City. Aus diesem Grund gibt es Institutionen, die sich dem Schutz der Amazonasregion verschrieben haben. 

Aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen, welche durch die Corona-Pandemie aktuell gelten, werden nun immer weniger Kontrollen in gefährdeten Gebieten durchgeführt. Das führt dazu, dass illegale Abholungen kaum noch entdeckt und die Gebiete nicht geschützt werden. Eindringlinge können sich unkontrolliert verbreiten und den Wald weiter zerstören. Die Existenznot, welche durch den Corona-Lockdown verursacht wird, führt dazu, dass viele Menschen sich gezwungen sehen, illegal Geld zu verdienen. Und das geht leider am einfachsten durch Waldrodung.  

Doch nicht nur der Wald selbst, sondern vor allem die Gesundheit der indigenen Völker wird durch die Corona-Pandemie bedroht. Die indigenen Gemeinschaften sind besonders anfällig für das Virus, da ihr Immunsystem meist keinerlei Kontakt zu westlichen Erkrankungen wie der Grippe hat und sie daher nicht in der Lage sind, Antikörper für das fremde Virus zu produzieren. Vor allem stark isolierte Völker, welche kaum bis gar keinen Kontakt zur restlichen Welt haben, droht ein schwerer Krankheitsverlauf. Dazu kommt eine schlechte Infrastruktur, kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung und mangelnde Informationen über Vorkehrungen, welche im Zuge der Pandemie getroffen werden sollten. Da viele Völker Angst vor dem Kontakt mit dem Virus haben, ziehen sie sich tief in den Wald zurück - vorausgesetzt, das ist noch möglich.   

Das Leben der indigenen Völker wird immer stärker bedroht. 
Zum jetzigen Zeitpunkt vor allem durch das Corona-Virus selbst, aber auch durch Auswirkungen, die das Virus auf sowieso schon unzureichende Schutzmaßnahmen des Waldes hat.  

Anstatt sich aus ihrer Heimat vertreiben zu lassen, werden in immer mehr Teilen des Waldes Zusammenschlüsse unter der indigenen Bevölkerung, wie die Guerreiras de Floresta (Kriegerinnen des Waldes) oder Guardiões da Floresta (Wächter des Waldes) gebildet, um sich gegenüber Überfällen zu verteidigen.  
Sie stellen eine große Gegenbewegung dar: vor allem gegen die Regierung von Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro, welcher sich ausdrücklich für die Nutzung der Amazonasregion für wirtschaftliche Zwecke ausspricht und bereits rassistische Bemerkungen gegenüber indigenen Bevölkerungsgruppen machte. Der Schutz der naturverbundenen Ureinwohner wird immer stärker aufgehoben - sie sind somit auf sich allein gestellt und versuchen sich, zu verteidigen.  

Die Ureinwohner beherbergen einen riesigen Schatz an Wissen - ihre Kultur und Traditionen sind unglaublich wertvoll und können uns in der westlichen Welt dabei helfen, einen nachhaltigen Umgang mit der Natur zu erlernen und mit Naturkatastrophen besser umgehen zu können. Dennoch werden indigene Stämme diskriminiert, aus ihrer Heimat verdrängt, bedroht und sogar durch organisierte Banden ermordet.  
 
Wir alle wissen: die Amazonasregion samt ihrer Vielfalt an Flora und Fauna, sowie der indigenen Ureinwohner und aller anderen Lebewesen, welche den Regenwald ihre Heimat nennen, werden bedroht.  

Die aktuellen Ereignisse, welche sich in den Tiefen des Waldes abspielen, sind dabei nur ein weiterer Weckruf, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen und den Schutz unserer Erde ernst zu nehmen. Auch wenn wir als menschliche Bevölkerung durch das Corona-Virus vor großen Aufgaben stehen, so dürfen wir nicht vergessen, dass es auch noch andere Bedrohungen gibt, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, anstatt Abstand zu waren.  

Es ist heute unfassbar wichtig, sich stets bewusst mit Nachrichten auseinander zu setzen und sich zu fragen, was man selber gegen diese Ungerechtigkeit tun kann.  
Oft entscheidet vor allem unser eigener Konsum darüber, wie es um die Natur samt der Lebewesen in anderen Teilen der Erde steht: ob der Verzicht auf tierische Produkte (für welche in der Amazonasregion oft riesige Flächen Futter angebaut werden), das Boykottieren von  konventionellem Palmöl oder die Unterstützung von Aufforstungsprojekten – jeder Schritt zählt und hilft unserem Planeten dabei! 


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